53.000 Minis aus 17 Ländern haben sich auf den Weg in die ewige Stadt gemacht. Anlass war die Internationale Ministrantenwallfahrt, die alle vier bis fünf Jahre stattfindet. Wir haben einige von ihnen auf ihrer Pilgerreise begleitet.

Der Tag beginnt früh für Tabea und Jonas. Sie gehören zu einer Gruppe von 100 Jugendlichen aus Stuttgart, die zur Internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom starten. Morgens um halb sieben klettern sie in die Busse und harren geduldig 16 Stunden aus, bis die Tore der heiligen Stadt endlich in Sicht sind. Die folgenden Tage werden anstrengend, sie sind gefüllt mit Besichtigungstouren der antiken Stätten, Kirchen und Museen, Gottesdiensten und Begegnungen mit anderen Pilgern.

„Aus der wahren Quelle trinken“ lautet das Motto der diesjährigen Wallfahrt. Ganz konkret bedeutet das für die vielen Jugendlichen der Brunnen um die nächste Ecke, wo sie ihre Flaschen wieder auffüllen können. Rom im August ist ein heißes Pflaster und Abkühlung tut gut. Bei genauerem Hinhören klingen aber auch biblische Bezüge an: Taufe, Schöpfung, Jesus´ Begegnung mit der Frau am Jakobsbrunnen und Gottes Leben spendende Kraft.

Gottes Kraft ist in diesen Tagen am besten in der Gemeinschaft zu erleben. 53.000 Jugendliche aus aller Welt bevölkern Rom, sie sind gemeinsam unterwegs, sie singen, beten und feiern miteinander. Auch die fast fünf Meter hohe Statue des heiligen Tarsitius ist nach Rom gekommen. Sie wurde vom Schweizer Künstler Bernhard Lang erschaffen. Tarsitius, der im dritten Jahrhundert lieber starb als das Geheimnis der Eucharistie aus seinen schützenden Händen zu verlieren, ist der Schutzpatron aller Ministranten und steht während den beiden Höhepunkten des internationalen Programms auf dem Petersplatz, um die Messdiener aus ganz Europa zu begrüßen. Danach ist für ihn dort, wo man das Grab des Märtyrers vermutet, auf dem idyllischen Gelände neben der Via Appia Antica in der Nähe der Callistus-Katakomben, ein Platz vorgesehen.

Der gemeinsame Höhepunkt der Wallfahrt ist zweifellos die Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI. „Benedetto“-Rufe schallen ihm vielfach entgegen. Ein Meer von Pilgertüchern begrüßt das Oberhaupt der katholischen Kirche. Damit man die unterschiedlichen Nationen unterscheiden kann, tragen alle Jugendlichen Halstücher – die Farbe des Tuchs ist von Nation zu Nation unterschiedlich. Deutschland hat „Vanille“ um den Hals und Rom mit 45.000 Ministrantinnen und Ministranten fest im Griff. Das kann der Papst bestimmt schon von seinen beiden Helikopterrunden über dem Petersplatz erkennen. Feierlich wird ihm das weiße Wallfahrtstuch überreicht – das einzige, das man nicht tauschen kann. Folgende Worte gibt er den Jugendlichen mit, die in einer Gesellschaft leben, in der es besonders jungen Menschen immer schwerer fällt, sich auch im Alltag offen zum Glauben zu bekennen: „Teilt auch ihr euren Altersgefährten das Geschenk dieser Freundschaft mit,
mit Freude und Begeisterung und ohne Angst, dass sie spüren, ihr kennt es, es ist wahr, und ihr liebt dieses Geheimnis!“ Keine einfache Aufgabe.

Weniger nachdenklich geht es vor „Giolitti“ zu. Die bekannteste Eisdiele der Stadt schläft nie. Jugendliche Pilger wie Bischöfe machen hier Pause und legen kurz die Füße hoch bevor es wieder weitergeht. Spanische Treppe, Vatikanische Museen, Forum Romanum, die vier Patriarchalkirchen St. Peter, Santa Maria Maggiore, Lateranbasilika und St. Paul vor den Mauern – all das steht auf dem Programm und das meiste wird erlaufen. Antike Geschichte und Kirchengeschichte überlagern sich hier, die besondere Ausstrahlung der italienischen Hauptstadt mischt sich mit Atmosphäre der Wallfahrt. „Mich beeindruckt die einzigartige und wundervolle Stimmung unter den einzelnen Ministrantinnen und Ministranten aus den verschiedenen Ländern“, sagt Jonas, 16 Jahre. „Am besten gefallen hat mir jedoch der diözesane Gottesdienst mit der Predigt unseres Bischofs Fürst, der ganz deutlich seine Wertschätzung für unseren Dienst am Altar zum Ausdruck gebracht hat.“

Eine Woche Rom vergeht viel zu schnell. Nach dem Abschlussgottesdienst der Stuttgarter Gruppe in der Basilica del Sacro Cuore bleibt nur noch kurz Zeit, die Postkarten einzuwerfen, dann geht es wieder zurück nach Deutschland. Was bleibt nach diesen Tagen? Sonnenbrand auf der Nase und die Erfahrung, dass man Glauben zusammen intensiv erleben und feiern kann. „Am wichtigsten für mich ist, dass alle Teilnehmer etwas mitnehmen können, das sie zum Nachdenken anregt, und dass alle fröhlich und gesund wieder bei ihren Eltern angekommen“, sagt Peter, der bereits zum zweiten Mal als Betreuer mit nach Rom fährt. Dann steigt er mit den anderen in den Bus nach Hause. Ciao Roma, bis zum nächsten Mal!